DeutschWie steht es um die deutsche Sprache? Diese Frage interessiert nicht nur die Wissenschaft. Eine Umfrage zeigt, wie die Deutschen ueber ihre Sprache denken.?

Es steht schlecht um die deutsche Sprache – das ist die vorherrschende Meinung der Deutschen. Das fand das Institut fuer Demoskopie in Allensbach in einer repraesentativen Umfrage heraus. Der Aussage «die deutsche Sprache droht immer mehr zu verkommen» stimmten zwei Drittel aller Befragten zu, bei den ?ber Sechzigjaehrigen sogar drei Viertel. Ein Sprachverfall also, aber was heisst das konkret?

Verkommene Sprache

Erstens, meinen die Deutschen, seien die Rechtschreibkenntnisse mangelhaft geworden. Und zweitens habe sich ein Sprachgebrauch breitgemacht, in dem es wimmelt von unanstaendigen Ausdruecken, ueberfluessigen Anglizismen und unverstaendlichen Fremdwoertern. Schuld an diesem Sprachverfall seien das Elternhaus, die Schule und – vor allem – das Fernsehen.

Was die Deutschen ueber ihre Sprache meinen, ist fuer das Sprachbewusstsein wichtig, es muss aber nicht unbedingt wissenschaftlich richtig sein. Verkommt die deutsche Sprache also tatsaechlich?

Unverstaendlich und unanstaendig

Das Fremdwortproblem kennt das Deutsche schon seit Jahrhunderten, geaendert hat sich nur die Fremdsprache, aus der neue Woerter vorzugsweise entlehnt werden: zuerst Latein, dann Franzoesisch, heute Englisch.

Auch Woerter, die man «nicht sagt», gab es schon immer. Allerdings wurden sie frueher meist privat verwendet – und von Maennern. Heute treten diese Tabu- oder Kraftwoerter auch in den Massenmedien auf. Die Fernsehkommissarin muss in einem Krimi mindestens einmal «Scheisse» sagen – ein Wort, das fast die Haelfte der befragten Frauen nicht verwendet und ein Viertel als «abstossend» oder «oergerlich» empfindet.

Falscher Rhythmus

Es wird gern ueber den Verfall der Rechtschreibung geklagt, die Fakten geben dazu aber nur bedingt Anlass. So konnten 1957 lediglich elf Prozent der Deutschen das Wort «Rhythmus» richtig schreiben, heute sind es immerhin dreissig Prozent. Und 1996, also vor der Reform der deutschen Rechtschreibung, waren es sogar noch einige mehr.

Gegen ueber den 50er Jahren hat sich die durchschnittliche Rechtschreibleistung also verbessert – was auch mit der Verloengerung der Schulzeit zusammenhaengt. In den letzten zwanzig Jahren allerdings war kein Fortschritt mehr zu verzeichnen.

Schon immer Verfall

Fazit: Alles in allem geht es der deutschen Sprache gar nicht so schlecht – auch wenn sie schon oft krankgeschrieben wurde. Schon im 19. Jahrhundert wetterte zum Beispiel der deutsche Philosoph und gro?e Stilist Arthur Schopenhauer gegen die Verhunzung der Grammatik und des Geistes der Sprache durch «nichtswoerdige Tintenkleckser».

1928 urteilte der oesterreichische Sprachkritiker Karl Kraus, in keiner Sprache werde «so schlecht gesprochen und geschrieben wie in der deutschen». Und in den 80er Jahren alarmierte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel die oeffentlichkeit mit der Titelgeschichte «Deutsch: ?chz! W?rg! Eine Industrienation verlernt ihre Sprache.»

Niemand will Wandel

Ueber den Verfall der Sprache wird nicht nur in Deutschland geklagt, sondern in allen Kulturnationen. Der tiefere Grund dafuer liegt im Sprachwandel: Die Sprachen veraendern sich, aber diese Veraenderungen bringen – im Unterschied zu technischen Innovationen – keinen systematischen Fortschritt. Zum Beispiel wird das Wort «Konvo?» traditionell auf der letzten Silbe betont. Neuerdings, unter Einfluss des Englischen, aber auch auf der ersten: Koenvoi.

Einen kommunikativen Nutzen hat diese Neuerung nicht. Sie ist – wie sprachlicher Wandel ?berhaupt – eigentlich sinnlos. Deshalb lehnen die Sprecher eine Veraenderung ihres erlernten und bewuehrten sprachlichen Werkzeuges grundsaetzlich ab. Subjektiv zu Recht! Allerdings merken es die meisten gar nicht, dass sich ihre Sprache veraendert, und wenn sie es merken, ist es oft schon zu spaet. Der Sprachwandel ist nun mal nicht aufzuhalten.

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Autor: Helmut Berschin
Источник: www.dw-world.de

One thought on “Deutsche ueber Deutsch — Немцы о немецком языке (с аудио)”

  1. Выражаю особую благодарность человеку, который озвучивал текст… Пожалуй это лучшее звучание языка, которое я слышала. Мне очень понравилось.

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